
Reviews
von "folkmetal.at":
Berlin liegt in Finnland!
Kultasiipi stammen aus der deutschen Hauptstadt und spielen gemäss eigenen Angaben Fell Folk Metal. Standesgemäss flatterte der Silberling in einem solchen Fell (!) eingehüllt in meinen Briefkasten. Hierfür gibt’s schon ein Plus für die originelle Verpackung.
Insgesamt 16 Tracks umfasst das Debüt "Metsola" (Waldheim – Sitz des Gottes Tapio aus der finnischen Mythologie). Allerdings handelt es sich lediglich bei den geraden Nummern um „echte“ Songs, während bei den ungeraden Nummern kurze Instrumentalinterludien erklingen. Eine Mogelpackung? Mitnichten! Um es vorweg zu nehmen: Die vier Damen und zwei Herren sind Kult(asiipi)!
Meine Finnischkenntnisse sind zwar sehr beschränkt und doch kann sogar der Laie beim Gesang einen (germanischen) Akzent heraushören. Kein Wunder, spricht doch keines der Bandmitglieder Finnisch. Kultasiipi schreiben dazu: „Wen stört’s?“ Mich nicht! Im Gegenteil: Für die Hingabe, welche hier an den Tag gelegt wird, gibt’s einen Sympathiebonus.
Gespielt wird ein Mix aus Folk, Rock und klassischem Heavy Metal. Dieses Gemisch wird mit Abstechern Richtung Black Metal und vereinzelten Humppa-Elementen angereichert, wodurch sich der Sound von Kultasiipi sehr abwechslungsreich gestaltet. Folkinstrumente erklingen ebenfalls zahlreich, namentlich die Flöte ist omnipräsent.
Ein bestimmtes Stück hervorzuheben ist eigentlich unsinnig, das Gesamtwerk spricht für sich. Einzig die 'Levan Polka' gilt es speziell zu erwähnen, hat dieser Track doch in unseren Breitengraden schon in diversen Versionen Aufmerksamkeit erregt. Kultasiipi präsentieren uns hier ihren einzigen deutsch gesungenen Text. Dieser mutet recht seltsam an und stellt eigentlich den einzigen Schwachpunkt des Albums dar. Hier wäre man besser beim Finnischen geblieben.
Die Produktion des Albums ist herrlich urchig und knorrig, genau so wie ich mir einen finnischen Wald vorstelle. Oder anders ausgedrückt: absolut passend! Kultasiipi bieten uns hier ein vor Eigenständigkeit strotzendes Werk! Für Banger eher ungeeignet, für Folk-Rocker und -Metaller, welche ihren Horizont erweitern möchten, unbedingt empfohlen!
Aus dem "Zillo":
Eine Band, die aus Deutschen besteht und Finnisch singt? Das ist nun wirklich mal etwas Neues.
Mit einer Mischung aus authentischer Birkenwald-Folklore und Metal stellt sich das Sextett aus
Berlin nun mit der vorliegenden CD dem geneigten Publikum vor und weiß dabei vollauf zu überzeugen.
Vor allem, weil man nicht auf den Gedanken verfällt, erfolgreichen Bands wie Korpiklaani nachzueifern,
sondern seinen eigenen Weg durch das Land der 1.000 Seen sucht. In Stücken wie "Laula" mit melancholischen
Untertönen, bei "Sottajapaimen" partykompatibel, aber immer noch eigenständig genug, um nicht wie eine
Kopie gebürtiger Finnen zu wirken. Geschickt reizen die vier Damen und zwei Herren die verschiedenen
Facetten ihrer Musik aus, wechseln Tempi, Sänger und Gesangsstil, ja auch die Sprache ("Ievan Polkka").
Verbunden durch kurze Zwischenstücke ist "Metsola" ein einladender und unterhaltsamer akustischer Trip
in den Norden.
Ernsthaft poetisch und dennoch mit einem sympathischen Schalck im Nacken, authentisch
naturverbunden, gefühlvoll aber auch moderat durchgeknallt.
Apropos: Was sind das eigentlich für Pilze auf dem Cover?
Kutzer
Aus "Legacy"
Finnischer Folk Metal aus Berlin? Nebenprodukt von Globalisierung und
europäischer Öffnung? Mitnichten. Zwei Berliner Mädels mit einer
Schwäche für Skandinavien, insbesondere für Finnland, sind von Timo
Rautiainen & Trio Niskalaukaus` Album "Hartes Land" so begeistert,
dass sie 2006 beschließen, etwas ähnliches auf die Beine zu stellen,
nur eben andersherum. Drei Jahre später besteht KULTASIIPI aus vier
Frauen und zwei Männern die allesamt finnischer Folklore frönen.
Alte
Volkslieder werden einfach neu vertont oder es werden neue
geschrieben. Inspiration ist dabei neben finnischer Kultur und
Mythologie das "Kanteletar", ein finnisches Liederbuch aus dem 19.
Jahrhundert. Die sechs spielen auf "Metsola" 16 Lieder: mal wilder,
mal ruhiger; mal traurig, dann wieder aufgedreht; die ganze Zeit
jedoch mit einer Begeisterung, die ihresgleichen sucht.
Sänger
Tilmannus interpretiert die finnischen Texte mit solcher Hingabe, dass
man in ihm einen waschechten Finnen vermuten könnte, und im Duett mit
Bassistin Finna Björnsdottir klingt’s gleich noch einmal so gut. Die
beiden Gitarren kommen nicht zu kurz, auch Flöte und die typisch
finnische Kantele werden fast durchgehend eingesetzt, so dass kein
Folk Metaller die Langeweile fürchten muss.
Wie klingen KULTASIIPI nun
aber eigentlich? Schwer zu beantworten, aber man kann in einigen
Liedern Anflüge von Skyforger erkennen, besonders wenn man deren
Folk-Akustik-Album kennt. Pagan Metal, ja sogar Black Metal, ist genug
in den Songs enthalten. Humppa taucht genauso auf wie reiner Folk. Die
Lieder wirken alle wie aus einem Guss, nur ein kleiner Ausfall findet
sich mit "Ievan Polka", in dem deutsch gesungen wird. Der letzte Song
"Jos Mun Tuttuni Tulisi" dagegen ist so derartig anrührend, dass es
dem traurigen Hörer das Herz im Leib zerreißen will, geht es doch
darin um die Sehnsucht nach der alten Liebe.
Dass die sechs
Finnophilen sich nicht todernst nehmen, zeigt der Hidden Track mit
Outtakes aus dem Studio, die definitiv zum Schmunzeln anregen.
"Metsola" zeigt, dass man sich finnischer Kultur und Musik auch auf
eine ganz einfühlende Weise nähern kann, die so gar nichts mit dem
oberflächlichen Humppa-Gedudel zu tun hat, welches einem dieser Tage
aus allen Ecken entgegenschallt. Wer sich mit KULTASIIPI näher
beschäftigen möchte, kann das im Internet tun: www.kultasiipi.de und
myspace.com/kultasiipi halten genügend Informationen bereit!
(JF)
von "metal.de"
Berlin ist, laut Ansicht der Band, die südlichste Stadt Finnlands und
aus eben jener kommen KULTASIIPI um uns völkische Weisen und ihre Art
des Folk-/Pagan-Metal näher zu bringen. Aus der finnischen Mythologie
ist der Albumtitel "Metsola" entliehen und die Geschichten, die die
Gruppe erzählt spielen alle in dem Waldreich des Gottes Tapio. Musikalisch
werden die Geschichten von typischem Folk-Metal untermalt. Man ahnt es schon.
Auf "Metsola" findet sich wenig innovatives Songmaterial. Aber das muss ja
nicht zwangsläufig etwas Schlechtes heißen.
Also müssen wir mit dem arbeiten, was uns angeboten wird. Die Mischung
aus Folk und Metal ist im Fall von KULTASIIPI eine nicht ausgewogene.
Der Folk-Anteil ist deutlich im Vordergrund gehalten, was bei den Interludien,
die meist von diversen Waldgeräuschen begleitet werden, zwischen den einzelnen
Songs und den eher melancholisch gehaltenen Stücken gut zur Geltung kommt. Hier
muss man der Band einen Pluspunkt anrechnen, denn die Zwischenspiele
(die latenten Hörspielcharakter besitzen) dienen nicht als Lückenfüller,
sondern runden das textliche Konzept schön ab und KULTASIIPI verstehen es
die verschiedenen Stimmungen die die Texte vermitteln sehr gut wieder zu geben.
Was den metallischen Teil von KULTASIIPIs Debüt betrifft, ist für den reinrassigen
Metaller hier nicht viel zu holen, da die verzerrten Gitarren nur in seltenen
Momenten ausbrechen und dem Hörer eine Metalbreitseite verpassen. Das ist etwas
schade, denn so wirkt die Scheibe ein wenig unausgewogen. Wenn es dann doch mal
ungezähmt nach vorne geht stehen Bands wie KORPIKLAANI oder in dezenterer Form
auch SUBWAY TO SALLY Pate für die Songs der deutschen Finnen (wobei keines der
Mitglieder aus Finnland stammt). Neben Partykrachern wie "Levan Polkka" oder
"Soittajapaimen" stehen Songs wie "Kultasiipi", die eher depressive Momente
beinhalten. Eine gewisse Bandbreite kann man den Berlinern also nicht absprechen,
auch wenn das Korsett des Folk-Metal recht eng sitzt.
Was "Metsola" aber fehlt, sind die großen Momente, die dem Hörer eine Gänsehaut
über den Rücken jagen. Die Ansätze sind da, aber es mangelt sowohl an prägnanten
Riffs und instrumentalen Melodien, als auch an dem einen oder anderen Song, bei
dem man sagt ,ja, das isses!‘. Wie bereits erwähnt, Potential ist da und die Idee
die Songs zu verbinden finde ich auch ansprechend und wurde gut umgesetzt, nur an
Hits mangelt es KULTASIIPI momentan noch. Folk-Fans sollten reinhören, immerhin
handelt es sich hier um ein Debüt. Die Band kann sich entwickeln und schlecht ist
"Metsola" nun auch nicht.
von stalker.cd - Stalker Magazine
Wer finnische Musik hören möchte, muss nicht mehr zwangsläufig nach Finnland kommen.
Berlin - die südlichste Stadt Finnlands tut´s auch. Zumindest seit der Gründung der
Folk Metal Band "Kultasiipi" im Jahr 2006. Nun ist ihr erstes Album "Metsola" erschienen.
Acht Songs sind auf der CD vertreten, welche jeweils von kurzen, atmosphärischen Übergängen
unterbrochen werden. Talvella dient als Intro und stimmt mit durch den Schnee stapfenden
Schritten, Flöte und tiefer Stimme auf die CD ein. Metsola ist dann der erste Song, zeichnet
sich durch mehrere Tempo- und Stimmwechsel aus und ist der beste Song der Platte. Besonders
gegen Ende hin zeigt sich auch der ausgeprägte Live-Charakter des Songs. Laula hat eine sehr
folkig klingende Flöte und einen guten Rhythmus, der tatsächlich, wie der Titel schon sagt,
zum mitsingen animiert (wenn man sich dazu für fähig hält). Jedoch wollen die eingestreuten
Metal-Parts manchmal nicht so gut zum Rhythmus passen. Das nächste Lied Kultasiipi hat mit
einem recht holprigen Einstieg zu kämpfen den es, trotz des recht schönen Refrains, nicht
mehr los wird. Dieser Effekt wird wesentlich durch das vorangegangene Zwischenstück Kesällä
verstärkt. Die Idee, zwischen jedem Song eine atmosphärisch Auflockerung zu gewähren, ist
zwar sehr gut aber hier hätte man wirklich einen besseren akustischen Übergang finden sollen.
Soittajapaimen findet zurück in eine gute Form und weiß mit Humppa durchaus zu unterhalten.
Bei Kuusenjuuret wird ein Gang zurückgeschaltet und es ist eine sehr schöne Ballade.
Schneller wird es wieder bei Ievan Polkka, welches das einzige Lied ist, das auf Deutsch
gesungen wird. Dem ein oder anderen wird die Melodie, welche gut ins Ohr geht, bekannt vorkommen.
Metsäkukkia handelt von einem bedauerlichen Trinker und fängt daher die Bar-Atmosphäre (hier hat
sich die Überleitung als dienlich erwiesen), mit fast dahin schleppendem Sound, und Gesang, den
man stellenweise sehr gut mitgrölen kann, sehr gut ein. Auch hier zeigt sich wieder der ausgeprägte
Live-Charakter. Jos mun tuttuni tulisi ist der letzte Song der CD und führt einen mit ruhigen Klängen
und sanften Gesang zurück ins Waldreich.
Mit finnischem Gesang sind Kultasiipi im deutschsprachigen Raum recht einzigartig obwohl keiner der
Bandmitglieder finnisch spricht (was sie auch ganz offen zugeben). Jedoch schafft es ihr Debüt nicht,
diese Einzigartigkeit auf allen Ebenen zu transportieren. Die Idee ist vorhanden, Abwechslung wird
geboten und es weiß größtenteils zu unterhalten, aber zu selten schafft es Metsola wirklich,
herauszustechen und die Tracks zwischen den Songs verkommen zu oft zum Selbstzweck - hier wurde
Potential verschenkt. Jedoch sollten vor allem Fans finnischer Kultur und Klänge mal reinhören und
wegen des angesprochenen Live-Charakters mancher Songs vielleicht auch ein Konzert besuchen.
Finnophile wird es übrigens auch freuen, dass im Booklet alle Texte mit deutscher Übersetzung
abgedruckt sind - auch wenn ich ab und zu den Faden verloren hab, da die Lyrics nicht immer der
gesungenen Reihenfolge zu entsprechen scheinen.
Anspieltipps:
Metsola
Kuusenjuuret
Soittajapaimen